Hans Schwaighofer (1920-2000) zum 100. Geburtstag

Aktueller Hinweis

Hans Schwaighofer hat ein imponierendes Lebenswerk hinterlassen, das über fünfzig Jahre umfasst. Er war mit gleicher schöpferischer Kraft Bildhauer, Lehrer und Theatermann und hat damit die Kultur Oberammergaus nachhaltig geprägt.

Von 1933 bis 1937 besuchte er die Oberammergauer Schnitzschule und arbeitete danach in der Werkstatt Schauer im Dorf. Nach Krieg und Gefangenschaft in Ägypten studierte an der Münchner Akademie der Bildenden Künste bei Prof. Josef Henselmann Bildhauerei.

Seit 1948 war er Lehrer an der Oberammergauer Schnitzschule und von 1966 bis 1984 deren Direktor. Die künstlerische Schaffensfreude, die individuelle Kreativität und das handwerkliche  Können der Schüler gleichermaßen zu fördern, war dabei sein oberstes Ziel. Er selbst war seit dem Studium in München Mitglied der Secession und zeigte seine Arbeiten regelmäßig im Haus der Kunst. Aufsehen erregte Schwaighofer dort 1959 mit einer lebensgroßen, in Holz gearbeiteten Kreuzabnahme. Die farbig gefasste Gruppe zitiert mit ihrer Farbigkeit, der drastischen Gestik und Mimik einerseits die Tradition der Bayerischen Volkskunst, gleichzeitig verweist der Figurenaufbau auf die Formensprache der Romantik und Frühgotik. Mit diesen Stilelementen entwickelte Schwaighofer einen sehr persönlichen, expressiv realistischen Stil. Seit Ende der 1980er der Jahre arbeitete er vorwiegend in Bronze. Dabei blieb er seiner individuellen Formensprache, die sich nie an den zeitgemäßen Kunstkonventionen und an den aktuellen Markttendenzen orientierte, treu. Seien es seine einfühlsamen Porträts, große Figurengruppen oder lebenssprühende Tierskizzen - Hans Schwaighofers Werke sind zeitlos, persönlich und kraftvoll.

Einen großen Teil seiner künstlerischen Schaffenskraft widmete er in den 1960er und 70er Jahren dem  Theater. Zunächst als Spieler, seine Darstellung des Judas bei den Passionsspielen 1950 und 1960 gilt als herausragend, dann als Spielleiter jährlich in Oberammergau stattfindender Aufführungen zwischen den Passionsjahren. Seit den 1960er Jahren engagierte er sich leidenschaftlich für eine Erneuerung der Passionsspiele. In jahrelanger akribischer Vorarbeit erarbeitete Hans Schwaighofer mit Skizzen, Lithographien, allegorischen Masken und  Kostümen sowie Bühnenmodellen die zunächst vom Gemeinderat genehmigte "Rosner-Probe". Als diese Entscheidung 1968 zurückgenommen wurde, verfolgte er den Erneuerungsversuch in Eigeninitiative weiter. 1977 wurde dann doch seitens der Gemeinde die Aufführung der “Rosner-Probe” genehmigt, danach ihre Übernahme als neues Passionsspiel  trotz positiver überregionaler Kritik jedoch von einer Mehrheit der Bürgerschaft abgelehnt.

Rückblickend betrachtet ist das Engagement und die gewaltige Anstrengung Hans Schwaighofers und vieler Oberammergauer und Oberammergauerinnen dennoch ein prägender Erneuerungsschub für die Passionsspiele gewesen. Seine Inszenierung hat wichtige Impulse für die Passionsspiele ab 1990 gegeben.

Beispiele für Werke Hans Schwaighofers  im Oberammergau Museum:
Nikolaus Albrecht, Bronze;
Porträt eines Knaben, Ton;
Sophie Wimmer, Bronze

Im Öffentlichen Raum:
Oberammergau: vor dem Passionstheater, Einzug in Jerusalem, Bronze;

Kreuzträger am neuen Friedhof, Holz;
Mehrere Grabmäler, z.B. Georg Johann Lang oder Alois Lang

Im Landkreis:
Garmisch-Partenkirchen: Richard-Strauss-Brunnen am Kongresshaus, Bronze;

Richard-Strauss-Institut, Porträtbüste Richard Strauss, Bronze;
Bad Kohlgrub: Hl. Michael, Kriegerdenkmal, Bronze;
Bad Bayersoien: Marienbrunnen, Bronze;

 

Kreuzträger, 1960

Lebensbaum, 1946

Nikolaus Albrecht, Bronze, 1960

Sophie Wimmer, Bronze, 1961

Rosnerspiel, Szene: Chor der Engel, 1977

Im Museumsshop erhältlich

Hans Schwaighofer (1920 – 2000), Gestalter und Erneuerer, Katalog, 272 Seiten
Preis: € 10,-
Bestellung gegen Vorauskasse zzgl. Versandkosten, E-Mail an: museum@gemeinde-oberammergau.de