Bühnenform & Bühnenbild der Passionsspiele

Oberammergau Museum

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 43 Theater-, Bühnen- und Bühnenbildmodelle für die Passionsspiele aus einem Zeitraum von 1890 bis 2010. Im letzten Jahr wurden sie aus verschiedenen Lagerungsorten im Dorf in einem gemeinsamen Depot zusammengetragen, um sie sachgemäß aufzubewahren. In unterschiedlichem Maße waren sie über die Jahre verschmutzt und beschädigt worden. In den letzten Monaten war es möglich, sie reinigen und restaurieren zu lassen.

Diese Modelle vermitteln uns, wie sich Theaterbau, Bühnenformen, Bühnenbild und  die Art der Inszenierung über die Zeit verändert haben. Nicht zuletzt hat sich natürlich auch die Technik verändert, wie man ein Bühnenmodell baut. Zudem treffen hier auch zwei Traditionslinien Oberammergaus zusammen – Passionsspiel und Bildhauerkunst. Teilweise erinnern die Modelle nachgerade an moderne Krippen.

Durch Filmszenen der verschiedenen Inszenierungen der Passionsspiele und des Reformversuchs der Rosner-Prob können Planung und Umsetzung verglichen werden.

 

 

Modell der Oberammergauer Passionsspielbühne 1815 gebaut nach einer Lithographie von Josef Poetzenhammer (1820) die J.N. Unhochs Bühne von 1815,Christian Schieckel, München 1990

Die aus Holz aufgebaute Passionsspielbühne 1860, Stich von Carl Emil Doepler

Die Bühne 1890 nach dem Umbau durch Carl Lautenschläger, mit historisierender römischer Tempelarchitektur

Modell der Oberammergauer Passionsspielbühne 1929, Georg Johann Lang

Das älteste bekannte Oberammergauer Bühnenmodell von Nicolaus Unhoch aus dem Jahr 1815 ist leider verschollen, aber immerhin in einer Nachbildung zu sehen.  Das Modell der Oberammergauer Passionsspielbühne von 1890 hat der damalige Schnitzschuldirektor Ludwig Lang nach den gemeinsamen Vorstellungen des Spielleiters Johann Ev. Lang und des international bekannten Münchner Theatertechnikers Carl Lautenschläger gebaut. Der Oberammergauer und Spielleiter Georg Johann Lang hat das Modell der Oberammergauer Passionsspielbühne 1929 wohl nicht nur selbst entworfen, sondern auch gefertigt.

Zusammen mit seinen aquarellierten Bühnenbildentwürfen eröffnen sich interessante Einblicke in die Planungen der damals radikalen Neuinszenierung für die Passionsspiele 1930.

 

 

Die Modelle für das Rosner-Spiel 1977  wurden in den Jahren 1975/76 unter der Leitung Hans Schwaighofers von den Schülerinnen und Schülern der Oberammergauer Berufsfachschule für Holzbildhauer geschnitzt, gefasst und gebaut. Die hier ausgestellten (zusammen mit den im Depot aufbewahrten) Modelle stellen alle wichtigen Szenen und Lebenden Bilder dar. Schnitzschuldirektor, Bildhauer und Theatermann Hans Schwaighofer wollte Oberammergau davon überzeugen, die „Rosner-Prob“ durchzuführen und diese Fassung 1980 als Passion zu spielen, deswegen hatte er diesen Weg der umfassenden Umsetzung in Modellen gewählt.

 

 

Der renommierte Oberammergauer Bühnen- und Kostümbildner Stefan Hageneier entwarf und baute für die Passionsspiele 2000 wieder die meisten Spielszenen und alle Lebenden Bilder im Modell, denn auch in diesem Fall musste das Dorf von einer grundlegenden Neuinszenierung überzeugt werden. Für die Passion 2010 schuf er nur Modelle für die Visualisierung der Lebenden Bilder, denn die große Mehrheit der Oberammergauer stand auf der Seite des Teams um Christian Stückl.

Nicht zuletzt macht auch dies den Charme der Modelle aus, waren sie doch auch meist Ausdruck des Ringens eines ganzen Ortes um die Form und Ausrichtung mit der die Oberammergauer ein bald 400-jähriges Gelübde erfüllen wollten.