Die verschlungenen Wege des Glücks
Biografische Notizen
„Geboren am 24. April 1936 im Hause der wohlbekannten Hebamme Frau Reiser, wie schon Johann Georg Lang und viele bis zu Christian Stückl. Getauft dann in Sankt Peter & Paul nahe der Grabplatte, die eh schon meinen Namen trägt (und das seit 1792).
Mein Vater war Fassmaler bei Lang sel. Erben, freilich nur so lange man hölzerne Figuren noch bunt fasste. Danach kam der Holz-Ton, denn es waren braune Zeiten und mein Vater musste (samt mir) Oberammergau verlassen. Und mein Vater, Fassmaler (und nebenbei Enkel eines anonym gebliebenen katholischen Kaplans) hat nie mehr eine Holzfigur angemalt und liegt seit meinem sechsten Lebensjahr begraben vor Leningrad.
Im Alter von zehn Jahren hat mir mein Onkel Melchior Breitsamter (ein Firmpatenonkel, dem ich auch den Vornamen verdanke) im Fundus des Passionsspielhauses die Leidenschaft fürs Theater beigebracht: diese Kulisse! Diese Kostüme! Und die urgewaltige Weintraube für das Lebende Bild! So wurde ich Bühnenbildner, und der Vorhang ging nicht nur alle zehn Jahre auf (wie in Oberammergau), sondern in Südamerika wie in München alle vier Wochen.
Ich wechselte – zu erahnen – das Gewerbe, wurde Dramaturg, führte Fernsehregie, schrieb Bücher und 42 Hörspiele, darunter das preisgekrönte („Hörspiel des Jahrzehnts“) CORDOBA ODER DIE KUNST DES BADENS.
Nicht zu viele Worte, hier geht`s um meine Bilder. Die ich nun, am Ende meines Lebens, endlich Zeit habe zu malen. Und nie wieder im grämlichen Holz-Ton.“
(MS im Juni 2021)
Zum 90. Geburtstag von Melchior Schedler wird in einer Sonderausstellung erstmals eine Auswahl seiner Bilder, Zeichnungen und Objekte gezeigt. Einen Großteil seines Werkes hat er dem Oberammergau Museum geschenkt, dieser bildet – neben Objekten aus Privatbesitz – den Schwerpunkt der Ausstellung. Den originellen Materialcollagen und farbintensiven Ölbildern, die er seit seinem 60. Lebensjahr in surrealistischer Manier malt, wird hier eine Bühne bereitet. Im Theater liegt auch der Ausgangspunkt seines künstlerischen Schaffens, wo er sich als Bühnenbildner sowie als Autor erfolgreich einen Namen gemacht hat. Sein literarisches wie bildnerisches Werk zeugt sowohl von großer schöpferischer Kraft als auch von seinem starken Willen zum Ausdruck.
„Geht mir weg mit euren uralten Geschichten, die in urvordenklicher Zeit geschehen sind! Mit dem „Herrn der Ringe“ und dem „Game of Dingsda“, das ist doch alles nur Kintop und Styropor, und wenn ihr genug davon gesehen habt, stellt ihr die Cassetten auf die Straße! Bei mir ist alles echt, und warum? Weil ich es gemalt habe, zum Beispiel die edle Alinur d´Aquitaine, sie lebte von 1122 bis 1204, nein, die müsst ihr nicht kennen. Auch dass sie Königin von Frankreich und England war, das auch nicht. Aber dass sie Mutter von Richard Löwenherz war, das könnte sogar in eurem Herrn der Ringe vorkommen. Und dass der grausige Richard sie in einen Turm gesteckt hat, nicht einem aus Styropor, sondern aus echten schweren Steinen, und als der Kaiser den grausigen Richard geraubt hat, jawohl geraubt, denn so grausig sind die Leute miteinander umgegangen, da hat Alinur d´Aquitaine den größten Großtransport des Mittelalters veranstaltet. „Mittelalter, was ist denn eigentlich Mittelalter“ fragt ihr schon wieder, und ich muss doch malen, ich muss die schöne Alinur d´Aquitaine malen, und vor Aufregung hab ich ihr nun sogar einen Barsch als Kopf gemalt. „Barsch, was ist denn nun wieder ein Barsch“, fragt ihr schon wieder...“